Krieg ist nicht familienfreundlich

Krieg ist nicht familienfreundlich

Beitrag von Jenny Friedheim, Bremerhaven auf dem Sternmarsch auf Berlin am 28.02.2015,
als Mitschrift von Friedensmann

Die Botschaft der Gruppe Sting in ihrem Titel „Russians“ von 1986 lautet: „Lieben auch die Russen ihre Kinder?“ Und ich behaupte, ja auch die Russen lieben ihre Kinder. Vielleicht sogar mehr als die, die aus Karrieregründen dafür sorgen, dass die Krippenplätze in Deutschland knapp sind. In so vielen Ländern müssen Eltern derzeit Sorge haben, dass ihren Kindern etwas schreckliches passiert. In so vielen Ländern sind Kinder von Tod und Verstümmelung bedroht, in so vielen Ländern verlieren Mütter ihre Söhne, weil ohne Krieg dieses verdammte auf Wachstum basierende Geldsystem nicht mehr am Leben erhalten werden kann. Weil es ohne vorherige Zerstörung kein Wachstum mehr geben kann.

Meine Mutter hat den Krieg als Kind erlebt, viele Nächste im Luftschutzbunker verbracht, weil Bomber über Bremerhaven flogen, die es zwar auf den Hafen abgesehen hatten, aber oft genug auch die Wohngebiete trafen. Ich habe oft zugehört, wenn meine Mutter und unsere Nachbarin über den Krieg sprachen. Vieles, von dem, was ich hörte, habe ich nie vergessen. Eine Geschichte hat sich besonders in mein Gedächtnis eingegraben. Als unsere Nachbarin schilderte, wie sie in einer der Bombennächte mit ihren 5 Kindern zum Luftschutzbunker floh. Die beiden Ältesten liefen mit den Koffern voran, die beiden Jüngsten hatte sie auf dem Arm, das Mittlere lief neben ihr. Während dieser Flucht sah sie, wie ihre beiden Ältesten, die schon ein gutes Stücke voraus waren, von einer Bombe zerfetzt wurden. Wer kann ermessen, wie sich diese Frau bei diesem Anblick gefühlt hat? Von ihren Kindern blieb nicht einmal etwas übrig, was sie zu Grabe hätte tragen können. Und sie musste weiter funktionieren und für den Rest ihrer Familie allein sorgen, denn der Mann, der sie hätte unterstützen und trösten können, war an der Front.

Eltern lieben ihre Kinder und wollen sie vor Schaden bewahren. Auch die Eltern in der Ukraine. Die Eltern in der Ostukraine erleben derzeit täglich, wie hilflos und schwach sie sind, wie wenig sie ihre Kinder vor den fallenden Bomben beschützen können. Und selbst, wenn ihre Kinder körperlich unversehrt bleiben, so müssen sie hungern und frieren und ihre kleinen Gemüter müssen das Dauerbombardement verkraften, müssen ertragen, dass sie nicht beschützt werden können. An dieser Aufgabe verzweifelt schon mancher Erwachsene, Wie viel mehr belastet es ein Kind? Was nehmen diese belasteten Kinder mit in ihre Zukunft?

Egal von welcher Seite man sich das Bild der Menschen in der Ostukraine ansieht, es ist einfach fürchterlich für Erwachsene und für Kinder. Aber auch im Rest des Landes leiden Eltern. Die Mütter dort versuchen ihre Söhne vor der Einberufung zu schützen. Sie revoltieren, weil sie wissen, dass die Chancen ihre Kinder lebend wiederzusehen, nicht wirklich groß sind. Ich sehe die Bilder dieser verzweifelten und wütenden Mütter und ich kann sie verstehen, denn auch ich habe Söhne im wehrpflichtigen Alter. Deshalb stehe ich hier und rufe unserer Regierung zu: „Meine Söhne kriegt ihr nicht“

Viele junge Männer, mit denen ich in den letzten Monaten über die Kriegsgefahr sprach, meinten, es betrifft sie nicht, weil sie als untauglich gemustert wurden oder den Wehrdienst verweigert haben. Ihnen sage ich, im Krieg spielt das keine Rolle mehr. Die Geschichte lehrt, dass im Zweifelsfall ein jeder dran ist. In den ersten beiden Weltkriegen starben erst die Soldaten, dann holten sie alle anderen jungen Männer, danach die Familienväter, dann wurden 17-jährige und 60-jährige geholt. Und zum Schluß kamen auch 12-jährige und Greise an die Front. Im Krieg gilt das Grundgesetz nicht mehr, sondern Kriegsrecht. Und das heißt: Ihr habt kein Recht mehr, außer das Recht für`s Vaterland zu sterben! Wollt ihr das???

Viele glauben immer noch, Russland hätte nur veraltete Waffensysteme und könnte nicht mit der NATO konkurrieren. Ein gefährlicher Irrtum!! Napoleon, Wilhelm II und Hitler- sie alle dachten, dass sie mit dem „dummen“ Russenganz schnell fertig werden- sie haben sich alle geirrt. Der NATO wird es genau so ergehen! Aber wer muss für deren Irrtum bezahlen? Wir sind es und unsere Kinder werden sterben und die NATO wird sie nicht schützen können und wollen, denn die Nato verteidigt nicht mehr das Vaterland, Frauen, Kinder, den heimischen Boden. Sie verteidigt nur noch Wirtschaftsinteressen. Wir stehen wieder mal vor einem Krieg! Politiker und Medien bemühen sich redlich uns einzureden, dass wir uns gegen Putin wehren müssen. Mir ist egal, welche Regierung womit Recht hat. Ich frage nicht danach, wer den Krieg anfängt und warum. Wenn meine Söhne tot vor mir liegen, spielt das keine Rolle mehr. „Krieg ist nicht familienfreundlich!“

Ich habe nicht Kinder unter Schmerzen geboren, um sie einer Kriegsmaschinerie zu überlassen, die sie verheizt. Ich habe nicht meine Kinder zum Frieden erzogen, damit sie eine unmenschliche Wirtschaft zu verrohten Zerrbildern eines Menschen macht. Ich habe nicht jahrzehntelang für diese Kinder gesorgt, damit ich irgendwann blutige Klumpen Fleisch in Dosen vor die Tür geliefert bekomme. Falls überhaupt etwas von ihnen übrig bleibt, dass man mir noch schicken könnte. Wenn wieder Kinder an die Front geschickt werden, wenn wieder Kinder leiden und wieder Frauen weinen, weil ihre Kinder getötet wurden, dann ist egal, wer vorher was getan hat. Ist es wirklich wichtig, warum die Körper unserer Angehörigen zerfetzt wurden? Haben wir was davon, wenn wir wissen, wer schuld am Krieg ist? Nein!!!

Tröstet uns am Grab unserer Söhne der Gedanke, dass sie für eine sogenannte gerechte Sache gestorben sind? Nein!!!

Sie sind tot und niemand kann sie uns wiedergeben! Dann helfen auch keine geheuchelten Betroffenheits- und Beileidsphrasen mehr. Die könnt ihr euch Politiker in eine Körperöffnung eurer Wahl stecken! Frau von der Leyen, Herr Gauck, Frau Merkel- unsere Kinder sind systemrelevant. Sie und sonst gar nichts!

Es ist nicht die Wirtschaft, die Märkte, die Industrie, die Banken, die für Europa wichtig sind. Und etwas, das für uns, die Bevölkerung dieses Landes, noch unwichtiger wäre, als die NATO, gibt es kaum! Es sind unsere Kinder, die dieses Land mit Leben erfüllen. Es sind unsere Kinder, die der Garant für das Fortbestehen sind, und es sind unsere Kinder, die eines Tages eure Pensionen bezahlen sollen. Hände weg von den Kindern anderer Eltern, egal, wo diese Kinder wohnen und egal, wie alt diese Kinder sind. Hände weg von unseren Kindern!!!

Es gibt keine gerechten Kriege mehr in unserer Zeit, wenn es die überhaupt je gab. Es ging und es geht immer nur um die Vorteile der Wirtschaft. Jenen, die den Truppeneinsatz wofür auch immer fordern, sind in der Regel die, die nicht an die Front müssen. Und deshalb müssen wir nein zum Krieg sagen!
Egal wo und warum er stattfinden soll, wir müssen endlich begreifen, die Wirtschaft braucht diesen Krieg unbedingt, um das marode System am Leben zu erhalten. Wem ist das wichtig, dass er dafür sterben oder Angehörige opfern will. Jetzt will ich schweigen hören!!!

Krieg ist nicht familienfreundlichEs ist wichtig für uns und unser aller überleben, dass wir endlich alle aufstehen und der Welt deutlich zeigen, dass wir Frieden wollen. Es sind unsere Kinder, unsere Angehörigen, die für die Machtgelüste der Konzerne und Banken bluten sollen. Daneben sind die kleinlichen Streitereien um den Wert unserer Egos und die Qualität unserer Ansichten ganz unwichtig. Und noch ein Gedanke zum Schluss. Wir haben endlos viele Gesetze, die unsere Kinder vor Schaden bewahren sollen, aber welches Gesetz schützt unsere Kinder vor dem Krieg und seinen Folgen? Farbstoffe in Nahrung und Spielzeug, die Beschaffenheit von Kindersitzen-alles bis in`s kleinste Detail geregelt, damit unsere Kinder sicher sind. Aber unsere Kriegsministerin wirbt in Schulen und auf öffentlichen Plätzen-Kinder für die Bundeswehr an. Ist das nicht ein wenig seltsam? Wir sorgen für das Wohl unserer Kinder bis sie 17 oder 18 sind, damit wir gesunde junge Menschen an die Bundeswehr abliefern können. Haben die denn `nen Knall?

Es gibt eine Aufstellung für 2015, wo und bei welchen Volksfesten, Veranstaltungen und in welchen Schulen die Bundeswehr Werbefeldzüge plant. Lasst uns so oft wie möglich dabei sein, um ihnen in die Suppe zu spucken! Wenn wir jetzt nicht massiv gegen Kriegsplanung und Kriegsvorbereitung, dann hätten wir die Drecksbrühe verdient, die man uns einbrocken will. Ich wünsche mir nichts mehr, als das ich zu Unrecht Angst vor den Dummheiten unserer Politik habe. Ich wünsche mir so sehr, dass ich mich in der Beurteilung der Lage gründlich irre und alles wieder gut wird.

Mein Wunschtraum ist weltweiter Frieden und ich hoffe, dass wir in naher Zukunft nicht anstelle eines Wunschtraums einen Albtraum erleben. Und deshalb vergesst die kleinlichen Zänkereien darum, wer das bessere Weltbild hat, hört endlich auf, das Haar in der Demosuppe zu suchen. Wenn der Frieden gesichert ist, wenn unseren Kindern keine Gefahr mehr droht, dann haben wir wieder Zeit, um uns über Nebensächlichkeiten zu zanken. Bis dahin lasst uns gemeinsam für den Frieden auf die Straße gehen. Immer und immer wieder, bis wir unser Ziel erreicht haben. Es ist mir im Zweifelsfall auch scheißegal, wer mir hilft meine Söhne vor dem Tod zu beschützen, und wenn`s der Teufel selber wär, der hier neben mir stünde. Ich will keinen Krieg. Ich will nicht, dass meine Söhne sterben!!!

Bildquelle: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

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